Kein Bauland im Grünring und Hände weg von Landschaftsschutzgebieten!

In den kommenden Jahren werden zahlreiche Flächen im Bezirk Südost für neue Wohnquartiere umgewandelt. Dazu gehört nicht nur das riesige Gebiet der ehemaligen York-Kaserne, auch große Flächen in Wolbeck Nord, am Berdel und am Knotenpunkt der Hiltruper Straße / Albersloher Weg werden in naher Zukunft zu Baugebieten. Weitere Flächen, wie das z.Z. von der Westfalen AG genutzte Gebiet an der Heidestraße, sollen in den nächsten Jahren ebenfalls für Wohnbebauung erschlossen werden. Die Planung des Quartiers am Osttor in Hiltrup schafft ein weiteres großes Angebot an Wohnraum. Insgesamt werden im Südosten von Münster mehrere tausend Menschen ein neues Zuhause finden.

Ausschnitt Baulandprogramm Südost

Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen / GAL in der Bezirksvertretung Südost befürwortet und fördert neuen Wohnraum und ist im Grundsatz für das Baulandprogramm. Jedoch ist der Schutz der Grünzüge und des 1. und 2. Grünrings sowie ökologisch bedeutsamer Flächen zu gewährleisten.

Die im Vergleich sehr kleinen Gebiete 813-03 (Gremmendorf – Westlich Frankenweg, V/0374/2020) mit 20 WE und 863-07 (Wolbeck – Südlich Hiltruper Straße / Westlich am Sandbach, V/0375/2020) mit 40 WE sowie die Fläche Angelmodde – Nördl. Homannstraße sind aus diesem Grund aus dem Baulandprogramm zu streichen. Die Entwicklung zu Wohnquartieren ist nicht weiter zu verfolgen, da die Schaffung weniger Wohnungen die ökologischen und stadtklimatischen Folgen nicht aufwiegen und die Eingriffe nicht im Verhältnis zu den Folgen der zukünftigen Generationen stehen.

Zu 813-03 (Gremmendorf – Westlich Frankenweg,  V/0374/2020):

Die Fläche grenzt direkt an den Wald „Große Lodden“ und liegt im 2. Grünring sowie im Landschaftsschutzgebiet. Angrenzend befindet sich eine Ausgleichsfläche der Stadt in Form einer alten Streuobstwiese. Durch eine Bebauung des Waldrandes und die daraus entstehenden Lichtemissionen sowie dem steigenden Nutzungsdrucks werden typische Waldarten wie lichtempfindliche Fledermausarten und Eulen verdrängt. Da sich in dem Bestand auch Eichen befinden, ist mit einer Belastung durch die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners zu rechnen. Die Streuobstwiese verliert ebenfalls ihre Funktion als Lebensraum für Arten wie den Gartenrotschwanz, Stare und Braune Langohren (Fledermäuse).

Gremmendorf – Westlich Frankenweg

Zur Fläche Angelmodde – Nördl. Homannstraße:

Diese liegt zwar „nur“ im 3. Grünring, besitzt jedoch wegen des hohen Grünlandanteils und der strukturgebenden Baum-/Gehölzreihe einen hohen ökologischen Wert. Sie ist Teil des münsterländischen Biotobverbunds mit besonderer Bedeutung (Kennung VB-MS-4011-018), daher von Bebauung freizuhalten.

Fläche Angelmodde – Nördl. Homannstraße

Zu 863-07 (Wolbeck – Südlich Hiltruper Straße / Westlich am Sandbach, V/0375/2020):

Diese Fläche liegt im Grünzug Lütkenbeck-Loddenbach. Zusammen mit dem B-Plan 588 (Raiffeisenmarkt) entsteht mit der Bebauung der Fläche ein Keil in dem Grünzug, der bis an die Umgehungsstraße heran reicht und damit eine Barrierewirkung besitzt.

Wolbeck – Südlich Hiltruper Straße / Westlich am Sandbach
Karte Grünordnung Stadt Münster, in Blau neues Baugebiet

https://www.stadt-muenster.de/umwelt/umwelt-und-freiraumplanung/gruenordnung-muenster.html

Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen / GAL lehnte am 10.06.2020 in der Sitzung der Bezirksvertretung Südost die Vorlagen zu den Bebauungsplänen V/0374/2020 Gremmendorf – Westlich Frankenweg und V/0375/2020 Wolbeck – Südlich Hiltruper Straße / Westlich am Sandbach ab und enthielt sich beim Beschluss zum Baulandprogramm 2020-2024.

Anlagen:

Bildergalerie

https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004046368&voselect=11878
Link: Bebauungsplan Nr. 606: Südlich Angelsachsenweg / Westlich Frankenweg
Beschluss zur Aufstellung
https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004046369&voselect=11878
Link: Bebauungsplan Nr. 608: Hiltruper Straße / Westlich Am Sandbach
Beschluss zur Aufstellung

Straßennamen: eine Presseerklärung – und was daraus wurde…

Folgende Presseerklärung haben wir am 5. Juni an die WN-Redaktion geschickt:

Südost-Grüne zur Straßennamen-Umfrage auf dem York-Gelände

Die ehemalige York-Kaserne in Gremmendorf wird in Zukunft Wohnraum für etwa 5000 Menschen bieten. Dieser Wohnraum wird sich auf 14 Straßen verteilen, die durch die Bezirksvertretung Südost benannt werden sollen. Die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Südost hat sich mit der SPD-Fraktion und der Piratin Birgit Hemecker auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigt, diese Straßen nach britischen Counties („Grafschaften“) zu benennen. Warum? „Wir wollen eine Lösung aus einem Guss, die die Geschichte und die Besonderheit des Geländes berücksichtigt und den neuen Gremmendorfer*innen Identifikation bietet. Wir wollen weg von den Personennamen, mit denen verdiente Honorationen geehrt werden sollen, die aber nichts mit dem York-Gelände verbindet.“, meint Fraktionssprecher Reiner Borchert. Natürlich müssen die Straßennamen für deutsche Zungen, Ohren und Schreibstifte tauglich sein – darauf wurde bei der Auswahl geachtet.
Der CDU scheint dieser Vorschlag schwer im Magen zu liegen. Kein Wunder, stammen doch die meisten von der CDU vorgeschlagenen Namen aus ihrem eigenen Dunstkreis, so Borchert weiter. Als verfrühten Start in den Wahlkampf habe die CDU nun eine sog. „Umfrage“ in Form eines Flyers gestartet, auf dem auch gleich Peter Bensmann als „Bezirksbürgermeister für Südost“ tituliert wird – er sei weder gewählt noch Mitglied der Bezirksvertretung, sondern nur Kandidat. Bezirksbürgermeister sei weiterhin Rolf Schönlau. „Wir meinen, dass dieses dreiste und arrogante Vorgehen sich selbst als billiges Wahlkampfmanöver entlarvt.“, sagt der Frakstionsprecher dazu. Reiner Borchert weiter: „Wir rufen aber alle, die unseren Vorschlag unterstützen wollen, ausdrücklich dazu auf, an der Umfrage der CDU teilzunehmen und die Variante „Britische Grafschaften“ anzukreuzen, und sind auf das von der CDU präsentierte Ergebnis gespannt!“.

Und was hat die WN daraus gemacht? Am 10. Juni gab es dann gleich drei Pressemitteilungen, eine von der FDP, die ihren Vorschlag der Regimentsnamen präsentierte, einen größeren mit Bild von der CDU, die für ihre Umfrage werben wollte, und eine drastisch entkernte von uns:

Straßennamen für das York-Gelände – warum wir neue Wege gehen wollen

In den nächsten Jahren wird Gremmendorf um die 5000 neue Bewohner*innen bekommen – weil uns die Konversion des ehemaligen York-Kasenengeländes ca. 1800 neue und dringend benötigte Wohneinheiten bescheren soll bzw. wird.

Zur Erschließung des Geländes werden natürlich auch neue Straßen und Wege entstehen und vorhandene aus- und umgebaut. Und die wollen und sollen auch benannt werden, etwa 14 an der Zahl.

Die übliche Herangehensweise an neu zu benennende Straßen funktioniert in Gremmendorf etwa so: alteingesessene Vereine (Parteien, Schützenvereine, Gewerbeverein etc.) überlegen, welche verdienten und verstorbenen Mitglieder bisher noch nicht bedacht worden sind bei der Straßentaufe. Diese Vorschläge werden dann der Politik zugespielt, in der Regel der CDU, die ja auch selbst etliche Honoratioren auf Lager hat.

So hatte es sich die CDU auch diesmal wieder vorgestellt. Um die SPD mit ins Boot zu holen, hat man es nicht versäumt, auch eine verdiente SPD-Ratsfrau zu nominieren.

Dummerweise hat die CDU derzeit keine Mehrheit in der Bezirksvertretung, die über die Straßennamen zu entscheiden hat. Das eröffnet die Chance, diesmal anders vorzugehen.

Wir haben daher einen Vorschlag entwickelt, der neue Wege geht:

  • ein Konzept aus einem Guss, das zur Besonderheit des Gebietes passt
  • ein Bezug zur Geschichte des Gebietes
  • keine politisch einseitigen Personennamen (die womöglich in Zukunft in Verruf geraten könnten…)

Die Idee, britische Landschaften für die Straßennamen heranzuziehen, unterstreicht die jahrzehntelange Nutzung durch die britischen Streitkräfte, die „als Besatzer kamen und als Freunde gingen“, ohne dem Militarismus zu huldigen.

Natürlich haben wir dabei im Blick, dass viele englische Namen für ungeübte deutsche Zungen, Ohren und Schreibstifte schwer verdaulich sind. Daher haben wir Namen von Counties („Grafschaften“) herausgesucht, die unserer Meinung nach auch für deutsche Verhältnisse tauglich sind.

Wir glauben, dass die oben erwähnten etwa 5000 neue Gremmendorfer*innen keine Probleme mit den Namen haben werden – so exotisch ist Englisch einfach nicht. Im Gegenteil, sie werden die Namen als etwas Besonderes wahrnehmen und sich mit ihrem neuen Viertel eher identifizieren, als wenn sie mit Namen ihnen unbekannter Personen zu tun hätten, wie die meisten Alteingesessenen.

Und was macht nun die CDU? Sie hat das Thema für den bald beginnenden Wahlkampf entdeckt. Mittels eines Flyers, der in den Läden am Albersloher Weg und der Gastronomie ausliegt, inszeniert sie eine „Umfrage“, bei der man zwischen den Grafschaften, den „Gremmendorfer Persönlichkeiten“ und einer Mischung aus beiden wählen kann. (Wer ist nochmal Versitzender des Gewerbevereins? Richtig, Marc Würfel-Elberg. Und wer ist Vositzender der Gremmendorfer CDU? Richtig, auch Marc Würfel-Elberg!)

Gleichzeitig nutzt die CDU ihren Flyer, ihren Kandidaten für das Bezirksbürgermeisteramt in Stellung zu bringen. Peter Bensmann wird als „Bezirksbürgermeister für Südost“ tituliert. Man muss schon sehr genau auf die Wortwahl achten: es heißt „für“, nicht „von“. Darauf wird man sich berufen, wenn darauf hingewiesen wird, dass Herr Bensmann ja bisher nur Kandidat ist und keineswegs vom Volke gewählt. Aber egal, Klappern gehört zum Geschäft, und Gremmendorf war bisher immer ein sicheres Pflaster für die CDU.

Wie gehen wir nun mit der CDU-Kampagne um? Zunächst mal sind wir sehr gespannt, welches Umfrage-Ergebnis die CDU uns demnächst präsentieren wird.

Allen, die unseren Vorschlag unterstützen wollen, empfehlen wir ausdrücklich die Teilnahme an der Umfrage – kreuzen Sie bitte die erste Alternative „Britische Grafschaften“ an! Allerdings verlangt die CDU Namen, Adresse und Unterschrift. Also, keine Angst vor Datenschutz!