VCD: Klimaschutz im Verkehr? Fehlanzeige in Münster!

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat eine informative Kampagne gestartet zum Thema Verkehrspolitik und Klimaschutz in der einstigen „Klimahauptstadt“ Münster:

Mehr als 20 Prozent trägt der Bereich Verkehr zu den CO2-Emissionen bei. Allein das ist schon ein Grund, entschieden den Klima schonenden „Umweltverbund“ Zu-Fuß-Gehen, Fahrrad, Bus und Bahn zu fördern.

Darüber hinaus beeinträchtigt der PKW-Verkehr besonders in den Städten die Lebensqualität durch Lärm, Abgase und Feinstaub-Emissionen. Wäre es sichtbarer Müll, würden viele Münsteraner an den verkehrsreichen Straßen bis zur Taille oder sogar bis zum Hals darin stecken.

Hinzu kommen die hohe Unfallträchtigkeit des motorisierten Individualverkehrs (MIV), sein Verbrauch an Flächen und Ressourcen, schließlich die Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden (müssen?), um das System am Laufen zu halten.

All das macht eine Wende in der Verkehrspolitik notwendig. Doch in Münster, das sich „Klimahauptstadt“ nennt, geschieht seit zehn Jahren nichts. Stattdessen fördert die aktuelle CDU/FDP-Ratsmehrheit die Auto-orientierten Verkehrskonzepte der 70er Jahre – zu Lasten des Klimas und der Bürger.

Was hier in Stichworten genannt ist, erfahren Sie im Detail (…)

…auf der Seite www.klimaschutz-fehlanzeige.de.

Zum Beispiel auch zu diesen Themen:

Überschrift Auch Ampelanlagen kommen in die Jahre und müssen erneuert werden. In Münster hat man „Nägel mit Köpfen“ machen wollen und eine „Grüne Welle“ auf den Hauptachsen angepeilt. Das Mittel dazu ist die „adaptive Netzsteuerung“ zuerst realisiert auf dem Albersloher Weg.

Nach den Messungen der Fachleute (Lehrstuhl für Verkehrswesen der Ruhr Universität Bochum) führte diese Modernisierung dazu, dass sich der „Performance Index“ um 29 Prozent * verbesserte.

Wäre damit das Ende der Geschichte erreicht, könnten auch Klimaschützer zufrieden sein. Doch leider wächst das Verkehrsaufkommen weiter – vor allem dann, wenn nicht entgegengesteuert wird. Was den Bürgern dann bevorsteht, zeigen zum Beispiel die Prognosen für die Autobahn 1 (+ 60 Prozent) und die Bundesstraße 51 zwischen Telgte und Münster (+ 100 Prozent). Dann sind die Fortschritte bald aufgezehrt, viele Steuermillionen ausgegeben und die Situation auf den Hauptverkehrstraßen noch belastender als heute.

Dass es nicht zwingend dazu kommen muss, beweist das Beispiel Radverkehr in Münster. Ein Radverkehrsanteil von gut einem Drittel an allen Wegen in der Stadt würde in anderen Städten für unmöglich gehalten. Eine „Verkehrswende“ – weniger Auto und mehr Umweltverbund – ist auch in Münster, der Stadt mit der höchsten Kfz-Dichte in NRW (siehe 683 auf 1.000) möglich.

Frage: Wie viele Psychologen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Einen. Aber die Glühbirne muss den Wechsel wirklich wollen….

Inzwischen wurde zumindest auf dem Albersloher Weg eine Geschwindkeitsreduzierung auf Tempo 50 durchgesetzt – was im ungünstigsten Fall die Fahrzeit um 29 Sekunden verlängert. Die nachträglichen Kosten für die lange blockierte Maßnahme: 160.000 Euro.


* Im Detail betrachtet, ergibt sich allerdings ein deutlich anderes Bild (Quelle: Evaluierung der Grünen Wellen im Zuge der Modellachse Albersloher Weg in Münster mittels Reisezeitenmessung, Schlussbericht Januar 2009, Lehrstuhl für Verkehrswesen, Prof. Dr.-Ing. W. Brilon, Seiten 35 /36):
Berechnet man die „Reisezeit“ und die „Anzahl der Halte“ auf der Gesamtstrecke zwischen Hansaring und Osttor in Gremmendorf (Route 1), ergibt sich im Vergleich mit dem Ursprungszustand nur eine Verbesserung von 19,25 Prozent. In diesem Wert ist bereits der Effekt des vierspurigen Ausbaus des Albersloher Wegs enthalten.
Richtig fragwürdig wird das „Grüne Welle-Versprechen“ auf der sogenannten Route 2a (Hansaring bis zur Umgehungsstraße). Im Vergleich mit dem Ursprungszustand ergibt sich sogar eine Zunahme von „Reisezeit“ und „Zahl der Halte“ von 15,9 Prozent.

Überschrift Münster bleibt in NRW das Schlusslicht bei der Verkehrssicherheit. Hier ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet zu werden. Das liegt auch daran, dass in unserer Stadt viele „ungeschützte“ Verkehrsteilnehmer – zu Fuß und per Rad – unterwegs sind. Obwohl Fußgänger und Radfahrer nur an zehn Prozent aller Unfälle beteiligt sind, machen sie 60 Prozent der Verletzten und Getöteten aus (Quelle: WN vom 5.9.2008).

Eine Haftpflichtversicherung gibt es nicht für Fußgänger, Radfahrer oder Busfahrgäste, sondern für Kraftfahrzeuge – ein Beleg dafür, welches Verkehrsmittel die höchste Unfallhäufigkeit aufweist und bei Unfällen die größten Schäden verursacht.

Zur Kommunalwahl 1999 ging die CDU mit der Forderung nach Tempo 70 auf Wählerfang und sieht es – trotz dringender Appelle der Polizei wie auch des Sicherheitsgutachtens der Versicherungswirtschaft – bis heute nicht als erwiesen an, dass sie bei Tempo 70 in der Stadt auf Geisterfahrt ist.

Ein bisschen Physik für alle, die an Fakten interessiert sind: Bremst ein Auto aus Tempo 50, kommt es nach 28 Metern zum Stehen. Bei Tempo 70 ist es nach dieser Strecke noch 57 km/h schnell. Wer an den Ringen und den Einfallstraßen wohnt, kann es bestätigen: Höheres Tempo geht mit mehr Lärm einher. Und beim Beschleunigen auf ein höheres Tempo werden mehr Abgase erzeugt und mehr CO2 freigesetzt.

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