Shared Space – ein Modell für Wolbeck?

Am 19.  Februar veranstaltete das Bürgerforum Wolbeck einen Informationsabend mit dem Thema „Möglichkeiten der Verkehrsregelung und  der Ortsgestaltung im Ortskern Wolbeck“ (s. WN-Artikel vom 21.2.). Als Gäste referierten Frau Sabine Buhr-Deichsel, Erste Gemeinderätin von Bohmte (Landkrs. Osnabrück), und Prof. Dr. Jürgen Gerlach, Verkehrsexperte der Bergischen Universität Wuppertal, zum Thema „Shared Space“ und die eventuellen Möglichketen der Anwendung dieses Prinzips in Wolbeck.

Während Frau Buhr-Deichsel durchaus euphorisch von der erfolgreichen Umsetzung des EU-Projekts „Shared Space“ in Bohmte berichtete, verbreitete Herr Gerlach einige Skepsis in Bezug auf die Brauchbarkeit für Wolbeck. Insbesondere die Engpässe im Wigbold (Münsterstr./Am Steintor) lassen eine ähnlich erfolgreiche Umsetzung wie in Bohmte utopisch erscheinen.

Doch was bedeutet shared space eigentlich? Ich zitiere Wikipedia:

Konzept des Shared Space

Leitidee

Überschilderung sorgt für eine übermäßige Bevormundung der Verkehrsteilnehmer.

Shared Space in Haren, Niederlande: Keine Verkehrszeichen, nivelliertes Straßenland und lediglich orientierende „Begrenzungen“ für die Verkehrsteilnehmer

Der Grundgedanke des Shared Space sieht vor, den öffentlichen Raum für den Menschen aufzuwerten. Das Konzept geht davon aus, dass der Verkehrsraum überreguliert ist, was sich etwa in Überschilderung ausdrückt[13][14] und teilweise nicht verkehrsinduziert, sondern rechtlich bedingt ist.[15] Statt einer dominanten Stellung des motorisierten Verkehrs soll der gesamte Verkehr mit dem sozialen Leben und der Kultur und Geschichte des Raums im Gleichgewicht stehen. Durch Entfernen der Kanalwirkung der Straßen sollen die Orte wieder Persönlichkeit erlangen. Verkehrsteilnehmer und Nutzungen sollen im Straßenland gleichwertig nebeneinander existieren und sich den Raum teilen. Zusätzlich zur Lebensqualität soll so auch die Sicherheit im öffentlichen Straßenraum verbessert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, verzichtet Shared Space im Zuge einer Nivellierung auf Bordsteine und Abgrenzungen[16] und setzt stattdessen auf eine lediglich orientierende Unterteilung des Straßenraums. Des Weiteren sind im Zuge einer „Entregelung” der Verkehrslandschaft keinerlei Ampeln oder Verkehrs- und Hinweisschilder vorgesehen. Die Straßenverkehrsordnung wird reduziert auf deren oberste Maxime „Gegenseitige Rücksichtnahme” und das Rechts-vor-Links-Gebot. Mit diesen Maßnahmen wird eine gewollte Unsicherheit erzeugt, welche die Verkehrsteilnehmer dazu zwingt, den Raum situationsbedingt unter anderem durch Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern einzuschätzen. Gleichzeitig wird die Existenz eines durch motorisierten Verkehr dominierten Verkehrsnetzes als notwendig erachtet.[17]

Das Konzept ist mit der Situation auf einer Eisbahn vergleichbar. Auf einer abgegrenzten, einheitlichen Fläche bewegen sich Eisläufer mehr oder weniger ohne Reglementierungen. Erfahrene, schnelle Läufer müssen sich mit unerfahrenen, langsamen Läufern arrangieren und ihre Fahrweise der Situation anpassen. Kollisionen sind selten, weil jeder auf sein eigenes Wohl bedacht ist und Situationen mittels Blickkontakt rechtzeitig einschätzen kann.[18]

Eine informative Einführung zu diesem Thema gibt es auch bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

Prof. Gerlach ließ durchblicken, dass er wegen der räumlichen Enge eine weiträumige Einbahnstraßenregelung oder Ampelschaltung für vertretbare Lösungen hält. Wirklich optimal ist das natürlich alles nicht, aber Einbahnstraßen gehören schon seit langem zu den Vorschlägen der GRÜNEN, auch als Alternative zur  sog. Umgehungsstraße.

Trotz alledem hat das „Shared Space“-Konzept seinen Charme. Ob eine Lösung ohne Verkehrszeichen wie in Bohmte möglich und auch sinnvoll ist, ist für Laien kaum zu beurteilen. Wichtig und notwendig ist aber wohl ein weiteres wesentliches Element des „Shared Space“-Prozesses: durch eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wird ein weitgehender Konsens hergestellt. Wenn es gelingt, eine Regelung zu finden, mit der alle möglichst gut leben können, wären wir der Lösung der Verkehsprobleme Wolbecks einen großen Schritt näher gekommen. Das wäre allerdings nach den Jahrzenten des Konflikts in Wolbeck ein mittelschweres Wunder!

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